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Treibhausgas-Emissionshandel

Der Treibhausgas-Emissionshandel als Beitrag zum globalen Klimaschutz
Der Treibhausgas-Emissionshandel der Europäischen Union startete am 01.Januar 2005 als Lösungsansatz der internationalen Bemühungen zum Klimaschutz. Grundlage des europäischen Emissionshandelssystems bildet das Kyoto-Protokoll von 1997, das am 16. Februar 2005 in Kraft trat. Als Zusatzprotokoll der UN-Klimarahmenkonvention von 1992 legt es völkerrechtlich verbindlich für jeden der 39 Industriestaaten der insgesamt rund 190 weltweit am Protokoll teilnehmenden Staaten Reduktions- und Stabilisierungsverpflichtungen für die sechs Treibhausgase fest. Am 01.01.2013 beginnt die 3. Handelsperiode des Europäischen Emissionshandels, die dann bis zum Jahr 2020 läuft. Teilnehmer des Emissions-Handelssystems in Deutschland sind die Betreiber von Energieanlagen mit einer Feuerungswärmeleistung über 20 MW sowie von energieintensiven Industrieanlagen. Betreiber emissionshandelspflichtiger Anlagen können auf Antrag für den Zeitraum 2013 bis 2020 eine kostenlose Zuteilung von Treibhausgas-Emissionsberechtigungen erhalten.

Zuteilungsverfahren
Das Antragsverfahren, das bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) in Berlin abläuft, erfordert eine Vielzahl von Informationen und Daten, die den Anforderungen und Maßgaben des Treibhausgasemissionshandelsgesetzes (TEHG), den Monitoring-Leitlinien, der Zuteilungsverordnung (ZuV 2020) und weiteren Leitlinien und Verordnungen genügen muss. Zuteilungsanträge, die über ein spezielles Formularsystem online zu erstellen sind, können erst eingereicht werden, wenn sie von dafür zugelassenen Sachverständigen Stellen geprüft und verifiziert wurden.

Emissionsberichterstattung
Anlagenbetreiber, die am Emissionshandel teilnehmen, müssen auf Basis Ihres anlagenspezifischen Monitoringkonzepts sowie der Monitoring-Leitlinien jährlich Ihre Emissionen ermitteln und einen Emissionsbericht erstellen. Dieser muss von einer Sachverständigen Stelle geprüft und jährlich zum 01.03. an die zuständige Landesbehörde übermittelt werden. Die ermittelten Emissionen von Kohlendioxid (CO2) für die Anlagen eines Betreibers im abgelaufenen Kalenderjahr sind die Grundlage für die "Abrechnung", das heißt die Abgabe der Emissionsberechtigungen für das betreffende Jahr.

Unsere Rolle im Treibhausgas-Emissionshandel
Als diesbezüglich öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige nimmt Fr. Dipl.-Ing. (FH) Roswitha Farny die Verifizierung von Zuteilungsanträgen und Emissionsberichten im Treibhausgas-Emissionshandel nach dem TEHG für die folgenden Anlagentypen vor:

  • Feuerungsanlagen
  • Röst- und Sinteranlagen
  • Anlagen zur Herstellung von keramischen Erzeugnissen
  • Anlagen zur Herstellung von Glas

Die Verifizierung gliedert sich wie folgt in zwei Phasen:

Audit Phase 1: Strategische Analyse / Risikoanalyse
Das Audit Phase 1 dient der strategischen Analyse und der Risikoanalyse im Sinne des TEHG. Die Auditierung erfolgt vor Ort im Unternehmen. Gleichzeitig kann abgeklärt werden, ob und in welchem Umfang "Early Actions" einbezogen werden können und sollen. Zu diesem Zeitpunkt sollten die folgenden Unterlagen vorgelegt und übergeben werden können:

  • Auflistung der relevanten Anlagen
  • Genehmigungsstatus der Anlagen
  • Anlagenfließbilder mit Bilanzgrenzen und Mengenströmen

Erfolgt die Angabe der Treibhausgas-Emissionen auf der Basis von Berechnungen, so ist die Herkunft der Angaben zu den emissionsrelevanten Mengenströmen prüfbar zu belegen. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Art und Ort der Mengenmessungen
  • Art und Messunsicherheit der Messgeräte
  • Wartungs- und Kalibriernachweise der Messgeräte
  • Vorgehensweise zur Berücksichtigung von Lagerbestandsveränderungen

Werden die bundeseinheitlichen Emissions- bzw. Oxidationsfaktoren verwendet, ist anhand geeigneter Dokumente (Rechnungen, Lieferscheine, Analyseprotokolle, Produktspezifikationen) nachzuweisen, dass die jeweilis zugehörigen Stoffe tatsächlich beschafft und verwendet wurden (z.B. Art und Herkunft der verwendeten Brennstoffe). Werden anlagenspezifische Emissions- bzw. Oxidationsfaktoren verwendet, so muss außerdem deren Zuverlässigkeit belegt und die mit ihnen verbundene Messunsicherheit dargelegt werden. Von Bedeutung sind dabei:

  • Vorgehensweise, Frequenz und Ort der Probenahme von Material zur Bestimmung der Emissions- oder Oxidationsfaktoren
  • Analytikverfahren (z.B. akkreditierte Verfahren, DIN-Verfahren, sonstige anerkannte und genormte Verfahren)
  • Zulassungen des Analytiklabors
  • Analytikgerätschaften (Eichung, Kalibrierung und Verfahren der Überwachung)

Im Rahmen der Risikoanalyse ist weiterhin nachzuweisen, welche Verfahren der Betreiber anwendet, um die Unsicherheiten der erhobenen Daten und die damit verbundenen Risiken für die Zuverlässigkeit der Daten zu den Treibhausgas-Emissionen zu minimieren. Dazu gehört beispielsweise die Durchführung interner und externer Audits, die Teilnahme an Ringversuchen sowie die Untersuchung von Gegenproben durch andere (akkreditierte) Labore. Konnten Unterlagen während des Audits nicht vorgelegt werden, oder waren diese unvollständig bzw. fehlerhaft, werden diese zum Abschluss des Audits Phase 1 benannt und durch den Betreiber nachgereicht bzw. korrigiert. Im Nachgang zum Audit werden die in Kopie erhaltenen bzw. stichprobenhaft geprüften Unterlagen anhand von Literaturdaten, Erfahrungswerten und Daten zu Referenzanlagen vor Ort einer weiteren Plausibilitätsprüfung unterzogen. Die Ergebnisse des Audits Phase 1 sowie der örtlichen Überprüfung werden in einem Bericht mit den folgenden Inhalten zusammengefasst:

  • Erhobene Basisdaten der Anlagen
  • Ergebnisse der Risikoanalyse
  • Angaben zu Zuverlässigkeit und Messunsicherheit der erhobenen Daten
  • Vorschläge zur Verbesserung der Datenqualität

Audit Phase 2 (Prozessanalyse)
Die Verifizierung erfolgt vor Ort als Prozessanalyse. Durch stichprobenartige Überprüfungen wird festgestellt, ob die Daten des Zuteilungsantrags zuverlässig sind. Art und Umfang der Stichproben hängen dabei in erster Linie vom Ergebnis des Audits Phase 1 und von den aufgrund des Berichts zu diesem Audit vorgenommenen Änderungen ab. Zusätzlich sollten sie die Ergebnisse der Risikoanalyse und die dort ermittelten Quellen mit hohem Fehlerrisiko berücksichtigen. Der Prüfbericht wird im Anschluss an das Verifizierungsaudit erstellt. Er stellt die wesentlichen Aspekte der vorgenommen Überprüfung dar und bewertet, ob die Daten des Zuteilungsantrags oder Emissionsberichts insgesamt zufriedenstellend sind.

Die Verifizierung endet mit einem positiven Testat und einer elektronischen Signatur, bevor der Antrag bzw. Bericht über den Betreiber mittels einer virtuellen Poststelle elektronisch an die zuständigen Stellen versandt wird.